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Wovon leben die Leute hier eigentlich?

 

 

Typische Fischerdörfer?

 

Immer wieder werden die Cinque Terre als ‘typische Fischerdörfer’ dargestellt. Das ist falsch - heute sowieso, aber es gilt nicht einmal für frühere Zeiten. Traditionell waren die Bewohner der Cinque Terre in erster Linie Weinbauern. Die Landwirtschaft spielte immer eine größere Rolle als der Fischfang. Fischer gab es in größerer Zahl nur in Monterosso, wo in früheren Jahrhunderten der Thunfischfang, später der Sardellenfang von Bedeutung waren. Eine Reihe von Einheimischen (vor allem aus Vernazza und Riomaggiore) fuhr zur See, häufig als Schiffsköche oder Kellner.

 

Diese traditionelle Beschäftigungsstruktur änderte sich Ende des 19. Jahrhunderts mit dem Bau der Eisenbahn . Zahlreiche Männer fanden beim Bau der Bahn Arbeit. Etwa gleichzeitig wurde in La Spezia die große Militär-Schiffswerft, das Arsenal, errichtet, die ebenfalls viele Arbeitsplätze bot. Zunächst war es in den traditionsbewußten Dörfern nicht gern gesehen, wenn die Männer auswärts arbeiteten; allmählich aber löste sich diese Einstellung, und es wurde mehr und mehr üblich, nach La Spezia zur Arbeit zu fahren.

 

Die überlieferte Berufsstruktur hatte sich also schon um 1900 verändert: Neben Winzern, Fischern (in Monterosso) und Seeleuten gab es nun in wachsender Zahl Arbeiter und Angestellte des Arsenals, dazu auch Männer, die bei der mittlerweile fertiggestellten Eisenbahn eine Dauerstellung gefunden hatten. In den zwanziger Jahren veränderte sich die Ökonomie der Cinque Terre nochmals tiefgreifend. Sämtliche Weinberge wurden von der Reblaus befallen, die Pflanzen starben, die Winzer waren ruiniert und mußten sich andere Arbeiten suchen.

 

Zwar stellte man die Weinberge in der Folgezeit mit neuen Rebsorten wieder her; seither gibt es aber in den Cinque Terre nur noch wenige hauptberufliche Weinbauern. Der Weinbau wird meist als Nebenerwerb betrieben. Winzer und Fischer - so schön sie in die Landschaft passen - findet man in den Cinque Terre also nur selten. Nur in Monterosso hat der Fischfang nach wie vor eine gewisse Bedeutung: Dort gibt es rund 20 bis 30 Fischer. Im ‘typischen Fischerdorf’ Vernazza sind es gerade noch drei... Der wichtigste Wirtschaftsfaktor ist heute der Tourismus; ein nicht geringer Teil der arbeitenden Bevölkerung ist bei der Bahn angestellt; außerdem gibt es zahlreiche Pendler, die nach La Spezia zur Arbeit fahren.

 

Mehr dazu in meinem Cinque-Terre-Führer, S.319-321