Nach der Überschwemmung

 

 

 

Am 25.Oktober 2011 wurden die Dörfer der Cinque Terre und des Hinterlands von einer schweren Überschwemmung betroffen. Wolkenbruchartige Regenfälle gingen auf die Gegend nieder, von den Bergen der Umgebung strömten ungeheure Wassermassen ins Meer. Oberhalb von Monterosso und Vernazza kam es zu Erdrutschen, die beiden Dörfer wurden unter riesigen Mengen von Schlamm fast begraben. Geschäfte und Restaurants wurden überspült, Dutzende von Autos ins Meer gerissen, vier Menschen kamen ums Leben. Vernazza und das alte Ortszentrum von Monterosso waren praktisch nicht mehr bewohnbar.


Wie stellt sich heute, gut drei Monate nach der Katastrophe, die Lage dar? Wie geht es den Menschen vor Ort? Und kann man noch sinnvoll eine Cinque-Terre-Reise für 2012 planen?

Die Lage  Anfang Februar 2012

 

Zunächst die eindeutig guten Nachrichten:


In Corniglia, Manarola und Riomaggiore gab es nur kleinere Schäden und die Lage hat sich völlig normalisiert. Von dern Folgen der Überschwemmung ist nichts mehr zu spüren.


In Monterosso und Vernazza sind die Aufräumarbeiten sehr zügig vorangeschritten. Die Bausubstanz der Dörfer ist unversehrt, die Schönheit der alten Ortsbilder bleibt also erhalten. Und es wird intensiv an der Beseitigung der Schäden gearbeitet.


In den benachbarten Küstenorten (Levanto, Bonassola, Moneglia, La Spezia) hat es keine nennenswerten Schäden gegeben.


Alle Wanderwege sind passierbar, mit Ausnahme des Küstenwegs von Monterosso bis Manarola (s.unten).

 

Aber:


Im alten Ortskern von Monterosso sind noch viele Geschäfte und Bars geschlossen, die Hauptstraße ist im Moment für Kanalisationsarbeiten aufgedeckt. Zahlreiche Räume im Erdgeschoss der Häuser (vor allem Läden, Bars, Restaurants) müssen neu eingerichtet werden. Wenn die Arbeiten weiter so schnell vorangehen wie bisher, dürfte Monterosso aber an Ostern wieder einen normalen Eindruck machen und man wird höchstens noch kleinere Schäden bemerken.


Am schwierigsten ist die Lage in Vernazza. Auch hier sieht die Hauptgasse im Augenblick aus wie ein offener Graben. Die Erdgasleitungen sind noch unterbrochen, viele Häuser also nicht heizbar. Die meisten Einheimischen wohnen gegenwärtig in Hotels oder Ferienhäusern in Levanto und La Spezia, es sind nur wenige Geschäfte geöffnet. Bis Ostern werden die Bewohner vermutlich alle zurückkehren, aber einen ganz „normalen“ Eindruck wird Vernazza voraussichtlich erst wieder im Sommer machen.


Der schon in den letzten Jahren immer wieder gesperrte Wanderweg zwischen Monterosso und Manarola ist durch Erdrutsche unpassierbar geworden. Natürlich weiß man vor Ort, dass der Weg zu den großen Attraktionen der Gegend zählt. Für die Wiederherstellung wurden Millionenbeträge zur Verfügung gestellt und in diesen Tagen sollen die Arbeiten beginnen. Wie lange sie dauern werden, ist allerdings im Moment nicht abzusehen. Ich vermute: ein Vierteljahr wird es mindestens dauern, vielleicht auch länger.

Wie geht es weiter?

 

Eins ist klar: Die zuständigen Institutionen und die Bevölkerung tun alles, um so schnell wie möglich wieder normale Verhältnisse wiederherzustellen. Denn daran gibt es ein massives ökonomisches Interesse. Mit dem Beginn der Touristensaison sollen sich die Cinque Terre so schön darstellen wie eh und je, und Geschäfte, Bars, Restaurants und Hotels sollen wieder funktionieren. Vor Ort wird mit Hochdruck gearbeitet.


Sicher kann man ab Ostern wieder problemlos in die Cinque Terre fahren. In drei von fünf Orten und in der Umgebung hat sich ja nichts geändert. Auch in Monterosso dürfte sich bis dahin fast alles normalisiert haben. Nur in Vernazza werden noch viele Geschäfte und Restaurants geschlossen und vielleicht noch Arbeiten im Gang sein.


Verzichten muss man vermutlich im Frühjahr noch auf die berühmte Küstenwanderung (mit Ausnahme des letzten Teilstücks, der „Via dell’Amore“). Man kann stattdessen aber auf der Höhe von Monterosso über Soviore nach Vernazza oder Corniglia wandern und von Corniglia über Volastra nach Manarola (s. in meinem Buch Wanderungen 3 und 6).

Info

 

Ich aktualisiere diese Seite regelmäßig mit den neuesten Informationen.


Außerdem informieren diese Websites auf italienisch über die aktuelle Lage und den Stand der Arbeiten:


www.buongiornomonterosso.com

www.vernazzafutura.blogspot.com (ital.)

Spenden

 

Für den Wiederaufbau fließen staatliche und EU-Gelder. Trotzdem sind nicht alle notwendigen Arbeiten damit abgedeckt. Spenden sind daher willkommen. Man kann spenden über die oben genannten Websites und über www.aid.cinqueterre.com.

Fotos: Vernazza November 2011, © Ferdinando Rollando