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Wandern

Die Wanderwege der Cinque Terre sind wirklich aufregend schön und zu Recht weltberühmt. Uralte Pfade hoch über dem Meer führen mit großartiger Aussicht durch Weinberge, Olivenhaine und an Steilhängen entlang, die mit Wolfsmilch, Ginster und Kakteen bewachsen sind. Zwischendurch tauchen die malerischen alten Dörfer auf, dann geht es wieder in 'unberührter' Natur weiter. Keine Neubauten und kein Autoverkehr stören das Bild. In der Saison sind die bekanntesten Wege allerdings oft hoffnungslos überfüllt. Seit 2002 muß man für den Zugang zu dem beliebtesten Streckenabschnitt Monterosso-Riomaggiore sogar Eintritt zahlen (Tageskarte 5 €, Kinder 2,50 €). Der starke Andrang ist manchmal unerfreulich, aber dennoch sind die Cinque-Terre-Wege für Wanderer absolute Höhepunkte.

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Die "Klassiker"

Monterosso-Riomaggiore (etwa 4.30 Std. reine Gehzeit). Der bekannteste Cinque-Terre-Weg, im Frühjahr und Herbst oft hoffnungslos überlaufen, obendrein gebührenpflichtig (s.oben). Zweifellos ein Höhepunkt - die Wegführung, die Landschaft und die Ausblicke sind wunderschön! Der Weg läßt sich beliebig abkürzen, da man unterwegs durch alle Cinque-Terre-Orte kommt. Die Wegbeschreibung aus meinem Cinque-Terre-Buch finden Sie hier.

Corniglia-Volastra-Manarola (gut 2 Std.). Auf diesem Weg durch die besterhaltene Weinbaulandschaft des Gebiets, ebenfalls mit großartigen Meerblicken, geht es etwas ruhiger zu. Nach einem dreiviertelstündigen Anstieg wandert man auf schmalen Pfaden hoch über dem Meer durch die Weinterrassen, erreicht das Dorf Volastra in Panoramalage und steigt dann auf Treppenwegen nach Manarola ab.

Monterosso-Levanto (2.30 Std.). Durch Macchia und Pinienwald hoch über Meer mit herrlichen Ausblicken über das Vorgebirge der Punta Mesco. Von Monterosso geht es zunächst eine knappe Stunde bergauf zum Aussichtspunkt "Semaforo", von dem man die gesamten Cinque Terre überblickt. Dann senkt sich der Weg allmählich bis zum Städtchen Levanto.

Riomaggiore-Portovenere (4.30 Std.).Eine spektakulär schöne, relativ lange Tour durch Weinberge, Wald und Felslandschaft. Der lange Abstieg am Schluß ist recht anstrengend. (Man kann die Tour abkürzen und nur bis zum Dorf Campiglia auf halber Strecke wandern, von dort fahren Busse nach La Spezia.) Von Riomaggiore geht es etwa anderthalb Stunden bergauf, vorbei an der Wallfahrtskirche Madonna di Montenero. Es folgt ein bequemes Stündchen im Wald bis nach Campiglia. Dann schließt sich ein aufregendes Teilstück auf schmalen Pfaden durch Felslandschaft mit großartigen Ausblicken aufs Meer an. Schließlich geht es abwärts nach Portovenere, ebenfalls mit wunderbaren Blicken.

Leider sind einige dieser Wege immer wieder mal gesperrt, aktuelle Informationen dazu hier.

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Weitere schöne Cinque-Terre-Wanderungen

Vernazza-Cigoletta-Corniglia (gut 5 Std.). Die große Tour führt nach einem langem Anstieg am Anfang auf einen Kammweg in 800 m Höhe, mit weiter Aussicht über die Küste.

Levanto-Cigoletta-Portovenere (zwei Tagestouren von 5-6 Std.). Der Cinque-Terre-Höhenweg für trainierte Wanderer, meist auf Kammwegen in 600-800 m Höhe.

Die Wege sind im allgemeinen gut markiert. In meinem Cinque-Terre-Führer gebe ich genaue Beschreibungen aller erwähnten Wege sowie von 14 weiteren Touren an der Riviera di Levante. Karten: am besten die Karten "Cinque Terre" 1:25.000 von SCI Genova und von Multigraphic. Vor Ort erhältlich. Die Multigraphic-Karte kann man auch über www.allmaps.de beziehen.

Ausführliche Informationen zu Wanderungen an der ligurischen Küste, neben den Cinque Terre auch Monte Portofino, Riviera di Levante, Fernwanderweg Genua-Portovenere finden sich auf www.italienwandern.de.

Organisierte Wanderungen für Individualreisende in den Cinque Terre und an der Riviera di Levante (Unterkunft, Wandervorschläge, Tourenbeschreibungen u.a.): www.italienwandern.com.

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Eine Cinque-Terre-Tour: Geliebte Abgründe.

Zuerst erschienen in GEO-Saison März 2001, "Italiens romantische Küsten".

Mario ist gut trainiert. Seit der Pensionierung hält er sich fit, als müsse er gelegentlich in Werbe-Spots den 'wilden Alten' spielen. Ich habe Mühe, mit dem drahtigen Mittsechziger Schritt zu halten, denn unseren Ausflug von Corniglia nach Vernazza absolvieren wir fast im Jogging-Tempo. Unter erschwerten Bedingungen: Mal führt der Weg, gerade einen Meter breit, hoch über dem Meer an einem Steilhang entlang, dann geht es über unregelmäßige Felsstufen in einem Olivenhain jäh bergauf. Und dauernd müssen wir auf dem schmalen Pfad anderen Wanderern ausweichen, sie überholen, uns an Gruppen vorbeischlängeln. Auf diesen vier Kilometern sind scheinbar alle Wandervereine der Welt versammelt, von Dietmannsried bis Baltimore. Wie die Amerikaner das wohl nennen, was sie hier machen, trekken, trampen, hiken?

Mario ist das egal. Mario hält sich fit. Die Steilhänge und die Felsstufen sind gerade richtig. An internationale Wandervereine hat man sich gewöhnt, wenn man in Vernazza wohnt. Mich stört nur das Tempo. Ich hatte mehr an einen entspannenden Bummel gedacht, als Mario mich einlud, ihn auf seinem Nachmittagsspaziergang zu begleiten. Wieder mal die Aussicht auf schroffe Felswände und winzige Weinpflanzungen hoch über der Brandung genießen, Orangenbäume und Feigenkakteen am Wege bewundern, zurückblicken auf die farbigen Häuser von Corniglia, den Duft des Ginsters einatmen... Stattdesssen hechle ich durchs Gelände. Unter uns blüht ein ganzer Wald von Wolfsmilchbüschen, doch Mario will noch zwei schwedische Studentinnen überholen.

Auf dem engen Pfad quetschen wir uns an ihren schweren Rucksäcken vorbei, eilen ein paar Felsstufen hinab und dann - bleibt Mario auf einmal stehen. Dreht sich zu mir um, schaut wieder nach vorn, dreht sich nochmal um. "Cristoforo, schau dir das an. Bellissimo, oder?". Vor uns liegt Vernazza und sieht genauso aus wie auf den Titelbildern der Ligurienbücher. Orangenfarbene, karminrote, ockergelbe Häuser ducken sich auf einem Felssporn im Meer. Weiß schäumende Gischt nagt bedrohlich an den Fundamenten des Dorfs. Eine Agave steht so malerisch im Vordergrund, daß mir der sicher unbegründete Verdacht kommt, das Touristenbüro habe ihn extra für die Fotografen hierhin gesetzt. Bellissimo. Ich habe diese Aussicht schon ein paar dutzend Mal gesehen. Mario sicher ein paar hundert Mal. "Bellissimo. Hier gehe ich nie einfach vorbei. Der schönste Platz der Welt - ist doch egal, wie oft du schon hier warst,oder?."

Noch ein paar Schritte, und wir sind im Dorf. Ein klares Ziel: die Bar. Ein Gläschen Weißwein nach der Wanderung, und vor allem einen Schwatz. Irgendwelche Bekannte sind immer da: Maria vom Zeitschriftenladen nebenan, die sich jeden Winter einen Seychellenurlaub leistet, aber in ihrem Leben noch nie in Corniglia war; Luciano, der dauernd behauptet, ihm gefielen nur die Berge und der doch um nichts in der Welt aus Vernazza fortziehen würde; Stefano, der frühere Journalist, der den Alimentari-Laden übernommen hat. Worum geht das Gespräch? Um die Cinque Terre natürlich. Schöner als hier ist es nirgendwo, da sind sich alle einig, einschließlich der Seychellen- und Dolomiten-Fans.

Aber was wird aus Riomaggiore, aus Corniglia und Monterosso, wenn sich diese unbestreitbare Tatsache weiter rumspricht? Für viele amerikanische Reiseführern gehören two days Cinque Terre bereits zum Italien-Pflichtprogramm, und ständig neue Fernsehdokumentationen verbreiten ihren Ruhm in aller Welt. Franco Bonanini, der Präsident des Nationalparks Cinque Terre, hat eine radikale Idee: Der Zutritt zu dem gesamten Gebiet soll ab März 2001 Eintritt kosten. "Wahnsinn", meint Stefano, und rechnet im Geiste wohl schon durch, wie sich das auf seinen Käseverkauf auswirken würde. "Madonna!" stöhnt Maria, denn sie muß einige Zeitschriften verkaufen, bis sie sich die Seychellen leisten kann. . Aber Mario, mein schneller Wanderfreund, widerspricht: "Warum nicht - früher oder später muß man den Andrang sowieso regulieren." Mit schwant, wovon er träumt. Von freier Bahn auf allen Wegen - er will noch schneller da oben sein.

Christoph Hennig